Test
VW 1300 [3.
Januar 1970]
Ihren Bericht über den VW 1300 kann ich nur Punkt für Punkt bestätigen.
Für einen Studenten sind wohl wirtschaftliche Überlegungen für
einen Kaufentscheid mehr denn alles andere ausschlaggebend. So kaufte ich 1966
einen 55er VW, der für sein Alter recht zufriedenstellend lief. Nach einem
Jahr dachte ich an die Anschaffung eines ganz neuen Käfers, mußte
aber leider die Feststellung machen. daß sich in diesen 12 Jahren nicht
viel geändert hat. 5500 DM war er mir nicht wert, zumal ich ja solch ein
Auto keine 10 Jahre fahren möchte. So folgten in etwa halbjährlichem
Abstand bis heute Gebrauchtwagen: Ford Taunus 17 M P3 Bj. 63, Ford Taunus 17
M TS Bj. 64, Mercedes 180 b, Karmann, Opel Rekord 1700. Bis auf den ersten 17
M, der etwas Ärger bereitete, bin ich mit allen Typen ausgezeichnet gefahren.
Ich schätze besonders wenn man viel fährt, einen ruhigen Motor, viel
Platz, mollige Wärme im Winter, weil ich ungern im Mantel eingepackt fahre,
und einen großen Kofferraum, auch wenn ich diesen nur ab und zu voll ausnütze,
aber dann ist er eben da. Käferbesitzer können gar nicht ermessen,
was ihnen da alles entgeht. In dieser Beziehung sind Ihre bisherigen VW-Tests
unbedingt ganz objektiv gewesen, als ehemaliger und auch Zwischendurch-VW-Fahrer
kann ich das nur betonen. Und so unzuverlässig, wie Herr Gerhard Baumann
schreibt, sind die Motoren anderer Wagen nun auch wieder nicht. Man darf eben
nur bekannte Marken fahren. In den meisten Fällen hängt die Zuverlässigkeit
vom Besitzer ab.
© Klaus-Dieter Jokisch, Stuttgart
Der Stil und die Argumente, die Herr Köhler so schön in unzweifelhafter
Art zum Thema VW 1300 durchklingen ließ, entbehrten jeder Objektivität.
Ich bin überzeugt, Herr Köhler gehört zu der Gruppe von Autobesitzern,
die sich einen überdurchschnittlichen Wagen leisten können und infolgedessen
einem Wagen kleinerer Klasse die vorhandenen Mängel und Nachteile sehr
übelnehmen, sind sie doch selbst Käufer eines perfekten Automobils.
Daß der VW gerade für den Zweck und die finanziellen Mittel junger
Leute eine ausgezeichnete Lösung ist, darüber machen sich viele Kritiker
augenscheinlich keine Gedanken. Seit ca. einem dreiviertel Jahr begleitet mich
mein gebraucht gekaufter VW als treuer Gefährte. Dabei wird der Wagen nicht
gerade geschont. Ein bullig ziehender Motor im Wagenheck hat sicher keinen guten
Einfluß auf ausgezeichnete Straßenlage, speziell in Kurven; sicher
bringt der VW an Spitzengeschwindigkeit keinesfalls mehr als 120 km/h, aber
jedem, der höhere Ansprüche hat, steht es frei, sich das richtige
Fabrikat herauszusuchen. Gegenüber anderen Wagen gleicher Leistungsklasse
mit kleinerem Hubraum nimmt sich der VW jedenfalls ausgesprochen gutmütig
aus. Mögen sie in der Leistung auch mehr bieten, bestimmt jedoch nicht
auf die Dauer. Und was Platzangebot und Bequemlichkeit angeht? Ich glaube, es
gibt keinen VW-Käufer, der den VW wegen dieser Qualitäten verdammt,
weiß doch jeder, was dieses Auto zu bieten hat. Gerade den VW nach Fakten
zu beurteilen, die sich eben nur auf ein Auto im allgemeinen beziehen, halte
ich für falsch. Es ist eben nur ein Auto für eine bestimmte Gruppe
von Käufern, die sich kein Superautomobil leisten kann.
©
Jürgen Schmitz, Mülheim
Schon beim Einsteigen merkt man, daß man sich in einem soliden Auto befindet.
Überall wird man davon überzeugt, daß es sich um eine handfeste
Konstruktion handelt, wie beispielsweise beim kernigen Armaturenbrett oder den
großzügig dimensionierten Dachpfosten. Die Sichtbehinderung nach
hinten spielt dabei keine Rolle, denn die meisten anderen Autos sind sowieso
vor einem. Die Sitzposition ist scheinbar nach den neuesten Erkenntnissen der
Gesundheitsforschung durchdacht worden: Man ist gezwungen, in militärischer
Haltung schön aufrecht zu sitzen. Doch damit nicht genug: Beim Bremsen
und Kuppeln ist es immer wieder erholsam, wenn man die Knie bis zur Brust anziehen
muß, um die Pedale treffen zu können. Dieser Umstand sorgt auch für
einen Hauch von Sportlichkeit.
©
Jörg Kuhlmann, Oldenburg
Gleicheingangs seines Briefes spricht ein Leser vom bulligen VW- Motor, der
arbeitet, daß es nur so rappelt. Bezüglich des Rappelns stimme ich
sofort zu, aber welcher der so geschmähten modernen Motoren rappelt denn?
Keiner, sie sind gottlob wassergekühlt, somit anständig gedämpft
und liefern ganz nebenbei noch eine ordentliche Heizung. Außerdem sind
die modernen Motoren keine Säufer, und wenn doch, dann leisten sie auch
was dafür. Ferner bleiben die modernen Motoren nicht bei jeder Gelegenheit
stehen, und sie kommen auch nicht vom Laufen ab. Diese Behauptung ist barer
Unsinn. Ich kenne viele moderne Motoren, die schon so alt geworden sind, daß
manche VW-Maschinen vor Neid rappeln würden, täten sie es nicht so
schon. Es stimmt zwar, daß man nicht oft genug betonen kann, daß
der VW- Motor hinten sitzt. Aber nicht, weil er dahin gehört, sondern weil
er da fehl am Platze ist. Abgesehen von reinen Sportfahrzeugen, gehört
der Motor vor den Fahrer und zwischen die vorderen Radkästen, damit hinten
noch ein ordentlicher Kofferraum bleibt. Oder sollten sich da alle Werke, die
vom Heckmotor auf Frontmotor und Frontantrieb umstellen, irren? Gar bei Kleinwagen
über ein Überangebot an Platz zu wettern schlägt meines Erachtens
dem Faß die Krone mitten ins Gesicht. Oder Ist Herr B. von zwergenhaftem
Wuchs? Großzügig und generös auf konsequente Raumausnutzung
zu verzichten ist doch ein dicker Hund.
© Wolfgang Levertz, Solingen