Test Glas
1304 TS [15 November 1967]
Ich zweifle nicht daran, daß die meisten Leser von Auto Motor und Sport
nette Leute sind, die sich in ihren Zuschriften um sachliche Auseinandersetzung
bemühen. Offenbar gibt es aber auch andere. Wehe, wenn der Testbericht
ihres Wunderschlittens nicht den eigenen Erfahrungen entspricht. Besonders die
"Spitze" hat es ihnen angetan. Weicht sie nur um ein geringes von
der angeblich selbst erreichten ab, so bricht der so Gedemütigte in ein
bitterböses Wutgeheul aus. So auch Helmut Leuschner aus Hamburg, dessen
Glas 1304 TS bare 177 km/h erreichen soll. Hat er vielleicht die Strecke mit
dem Bandmaß aus Omas Nähkästchen und die Zeit mit einer Sanduhr
gemessen? Die erreichbare Höchstgeschwindigkeit eines Fahrzeuges wird bestimmt
durch Motorleistung, Luft- und Rollwiderstand, innere Reibungsverluste sowie
die Gesamtübersetzung zwischen Motor und Radumfang. Streuungen, besonders
nach oben, sind enge Grenzen gesetzt, wobei 3 b.is 4% der Motorleistung zu den
Ausnahmen gehören. Dies würde aber auch nur Geschwindigkeitserhöhungen
von 1,5 bis 2%, also ca. 3 km/h entsprechen. Da der Luftwiderstand und damit
der Leistungsbedarf bekanntlich mit dem Quadrat der Geschwindigkeit wächst,
werden, um von der im Test gemessenen Höchstgeschwindigkeit von 164 km/h
auf eine solche von 177 km/h zu kommen, insgesamt ca. 15 zusätzliche PS
benötigt. Das wären also 100 statt 85 PS'. Dies stimmt auch mit dem
Meßergebnis des BMW 1600 TI überein, der mit seinen 105 PS .175 km/h
erreicht. Diese Fakten abstreiten zu wollen, zeugt einfach von mangelnder Fachkenntnis
©
Fritz Mehlin, Stuttgart
Ich beantrage hiermit, dem Schlangenklub eine Abteilung "Spitze" anzugliedern.
Präsident: Baron von Münchhausen. Symbol: Ein zugekniffenes Auge.
Erstes Ehrenmitglied: Helmut Leuschner, Hamburg. Grund: 177 km/h mit Glas 1304
TS
© Max Raich, Stuttgart