Vergleichstest
obere Mittelklasse
[14. Februar 1970]
Wenn auch der BMW das älteste Pferd in diesem Test war, so hat er immer
noch das kultivierteste Triebwerk aller Wagen, ausgenommen den Sechszylinder-Ford,
der übrigens in keiner Weise in diesen Test paßt. Die Motorlaufkultur
des so gelobten Audi ist, gelinde gesagt, unzumutbar und erinnert an die Zeiten
eines Prinz 3. Auch dürfte Ihren Rau und kräftig: Audi-Motor Testern
nicht aufgefallen sein, daß Karosseriestabilität und Verarbeitung
des BMW allen Testwagen, mit Ausnahme des Mercedes, um längen überlegen
sind. Die entscheidenden negativen Punkte beim Audi lassen diesen Wagen gegenüber
dem BMW von vorneherein undiskutabel erscheinen. Dafür muß der BMW-Fahrer
auch etwas mehr anlegen, und ich bin überzeugt, daß es wenige bereut
haben, zumal man noch ein Image geliefert bekommt, das ein Audi nie besitzen
wird.
© Manfred Ruisinger, Dornhan
Ihr letztes Testergebnis ist für mich geradezu erheiternd und beweist Ihren
hintergründigen Humor: Die Tatsache, daß der Mercedes 200 trotz seines
unzureichenden Motorsport den ersten Platz in der Wertung erreichte, ist sicher
darin begründet, daß dieses Fahrzeug hauptsächlich als Leichenwagen
und als Prestigefahrzeug für Opas Verwendung findet, wobei die Motorleistung
ja nicht ins Gewicht fällt. Dabei finde ich es gar nicht nett, daß
Sie die hervorragende Qualität des Mercedeslenkrades nicht erwähnen:
In den 3 Jahren, die ich dieses renommierte Fahrzeug fuhr, war das nämlich
das einzige Teil, mit dem ich keinen
Ärger hatte. Spurtfreudige, schnelle, unempfindliche und erstaunlich sparsame
Motoren habe ich seit 1964 in meinen BMW gefunden, von denen ich jetzt bereits
den dritten fahre. Die kompakte Karosserie, ideal im heutigen Verkehr, erwies
sich sogar mit drei Kindern und großem Urlaubsgepäck stets als komfortabel
und völlig ausreichend. Die sportlichen Fahreigenschaften, die leichte
Bedienbarkeit, die äußerst geringe Störanfälligkeit und
die im Verhältnis zur Leistung wirklich außerordentlich geringen
Kosten für Verbrauch und Wartung sowie die vorzügliche Werkstatt haben
für mich das Fahren stets zur Freude gemacht. Also, trotz der "Punktdiät":
Es lebe BMW!
© Klaus Wellhausen, Bremen
Als leider einziges ausländisches Automobil ist der Alfa mit von der Partie.
Ohne dem zweifel1os symphatischen italienischen Mittelklasseauto damit die Qualifikation
für diesen Kreis absprechen zu wollen, glaube ich, daß der Fiat 125
S und mehr noch der Peugeot 504 in der Einspritz-Version diesen Test mehr bereichert
hätten. Auch wenn der Fiat vom Preis her positiv aus der Rolle fällt,
so sprechen Leistung, Ausstattung und seine Verbreitung für ihn. Das gleiche
gilt für den Peugeot, der vor allem seiner Fahrwerks- und Komfortqualitäten
wegen dem BMW und Mercedes mindestens ebenbürtig ist. Wenn man dann noch
berücksichtigt, daß Peugeot allein vom 504 mehr Wagen verkauft als
Alfa mit allen Modellen zusammen (was auch für die Bundesrepublik zutrifft),
so ist Ihre Wahl eigentlich unverständlich. Oder mußte der Beste
unbedingt ein Deutscher sein?
©
Paul Wiersbowsky, Rilchingen
Zu Leser Wittmanns Anmerkungen über die Qualität des BMW 2000 möchte
ich in bezug auf die Lebensdauer des Motors bemerken, daß die Kurzlebigkeit
der von ihm benutzten Antriebsaggregate wahrscheinlich auf unsachgemäße
Behandlung nach dem Kaltstart, das heißt auf das Abverlangen der vollen
Leistung schon vor Erreichung der normalen Betriebstemperatur, zurückzuführen
ist. Im übrigen haben eigene jahrelange Erfahrungen mit BMW gerade in Hinsicht
auf die lebensdauer des Motors, aber auch in puncto Rostanfälligkeit, keinen
Anlaß zur Beanstandung gegeben.
© Thomas Roehl, Bremen
Zu Ihren Alfa-Ausführungen kann ich nichts hinzufügen, lediglich habe
ich entweder einen ausgesprochenen Benzinsparer oder Sie im Test einen Säufer,
denn ich habe meinen Wagen schon zweimal über eine Distanz von 1000 km,
in denen Autobahn, Landstraße und Stadtfahrt enthalten waren, ausgelitert
und bin beide Male nicht über 12,5 liter/100 km gekommen.
©
Theodor Schuler, Nürnberg
In Ihrem Vergleichstest erhält der Audi in der Tabelle "Fahrsicherheit"
für das Winter-Fahrverhalten Pluspunkte. Es ist mir unverständlich,
wie Ihre Fachleute diesem, durch die Frontantriebsreklame noch eifrig geförderten
Irrtum aufsitzen konnten. Wie Sie im Testteil erwähnen, hat der Frontantrieb
bestimmte Vorteile im Winterbetrieb: gute Traktion durch belastete Antriebsachse,
gute Richtungsstabilität beim Gasgeben, dadurch kein Ausbrechen, und Vorteile
beim Überholen. Somit wären dann etwa alle Vorteile aufgezählt.
Sobald aber mit einem Fronantriebswagen kein Gas gegeben werden kann, sind alle
Vorteile dahin - im Gegenteil, allein schon durch die Wirkung der Motorbremse
auf die Vorderräder wird der Wagen labil. Die Lenkung wird besonders teigig,
da die Vorderräder die Seitenführungskräfte zusätzlich zu
den schon vorhandenen Motorbremskräften übernehmen müssen (frei
rollende Räder übernehmen bekanntlich am meisten Seitenführungskräfte).
Die (bei Audi speziell) ungleichmäßige Gewichtsverteilung bei Frontantriebswagen
bringt den Wagen früher aus der Fahrtrichtung (ohne Gas und speziell auf
Glatteis). Ein ganz großer Nachteil ist auch dieses Nichtsignalisieren
des Straßenzustandes. Kommt es dann zum Überschieben, so bremst sich
ein vorn überschiebender Wagen (mit zwei frei rolienden Rädern) auch
weniger ab als ein neutraler Wagen, der über alle vier Räder zur Seite
schiebt. Da aber, um mit Ihren eigenen Worten zu sprechen, ein Wagen nur so
sicher sein kann, wie er im unsichersten Fahrzustand ist, und da man im täglichen
Verkehr nicht immer selbst entscheiden kann, ob man Gas geben soll oder nicht,
ist ein Frontantriebswagen in der Fahrsicherheit auch auf Schnee und Eis mit
Minuspunkten zu bewerten. Er verleitet zum schnelleren Fahren und ist dann im
Schiebebetrieb besonders schlecht.
©
R. Winkler, Winterthur, Schweiz
Der objektive und aufschlußreiche Test der Mittelklasse hätte noch
um vier weitere Konkurrenten komplettiert werden sollen. Es handelt sich um
die Typen: Austin 1800, Citroen ID 19, Peugeot 504 Injection und Volvo 142 S.
Durch diese in dieselbe Kategorie einzustufenden Autos hätte sich der Bericht
zwar ver-teuert, wäre aber sicherlich noch interessanter geworden.
© Paul Wolff Metternich, Neuenahr