Autowerbung

Schein trügt [AMS 19. Juli 1969]

Meine Zuschrift, die eigentlich scherzhaft gemeint war, hat nun doch den geharnischten Protest eines Befürworters des 6 Liter-Look. hervorgerufen. Offenbar wurden diese Herren an einer empfindlichen Stelle getroffen. Drei Fragen sollten sich meine Korrespondenzgegner selbst beantworten:


Unrecht tut man mir, wenn man mir Animosität gegenüber Mercedesfahrern vorwirft. Meine ersten Fahrversuche mußte vor achtzehn Jahren ein 170 V über sich ergehen lassen; etwa 40 000 km im Jahr sitze ich hinter dem "guten Stern auf allen Straßen" ab. Zum Einbau von Doppelscheinwerfern habe ich mich allerdings noch nicht entschließen können. Zwischendurch genieße ich immer wieder mal den Renault R 4 meiner Frau, und mit diesem fast als ideal zu bezeichnenden Wägelchen machte ich auch die Beobachtungen, die mich zu meinem Brief an die Redaktion inspirierten.
Das Auto ist zweifellos des deutschen Wirtschaftswunders liebstes Kind: Sage mir, welchen Wagen Du fährst, und ich sage Dir, wer Du bist. Weil diese Anschauung nun einmal zu unseren kulturellen Errungenschaften gehört, halte ich es nach wie vor nicht für ausgeschlossen, daß selbst Besitzer eines 280 in die Versuchung kommen, ihr Ego dadurch aufzuwerten, daß sie sich des 6 Liter-Look. bedienen.


© Günther Held, Stuttgart

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