Autowerbung

Blumen für die Dame [AMS 19. Juli 1969]


Wenn Sie, lieber Herr Busch, mir weißen Flieder schenkten, wäre meine Freude darüber uneingeschränkt, und es gäbe weder Hinter- noch Nebengedanken. Wenn Sie mir aber einreden wollten, ein typicher Damenwagen sei nun einmal eine nicht zu kleine und nicht zu große, aber alles in allem höchst langweilige Familienkutsche, dann stießen Sie bei mir auf heftige Ablehnung. Ich fahre nämlich auch einen "knallharten", einen Volvo P 1800, und zwar im Sommer auf alle Fälle barfuß. Das gibt ein Gefühl inniger Berührung. Glauben Sie nun ja nicht, daß ich diesen Wagen bevorzuge, weil ich im tiefsten Winkel meines Unterbewußtseins gar zu gern ein Mann geworden wäre. Davor bewahre mich der Himmel - und er tut es sogar! Nein, Herr Busch, ich fahre ihn, weil er mir gefällt, weil ich finde, daß er wie ein Modellkleid genau für mich zugeschnitten ist und weil er so ist, wie ich mir einen Mann wünsche. Männer dieser Art sind aber leider Mangelware.. ein Auto mit solchen liebenswerten Charaktermerkmalen ist es zum Glück nicht! Psychoanalytiker würden möglicherweise von einer Ersatzlösung sprechen und wahrscheinlich hätten sie sogar recht. Kurz und gut, die knallharten Wagen sind nun einmal so, wie ein Mann sein könnte: So kurvenfest, so rassig, so schnell und sensibel reagierend! Da kommt es dann gewiß auf ein Paar zerrissene Strümpfe nicht an, sofern man überhaupt weiche trägt, und kosten darf es im Bedarfsfall auch etwas, selbst wenn es das Herz ist. Ich weiß nun natürlich nicht, ob ich hier im Namen vieler Damen spreche, die die Knallharten ebenso lieben wie ich. Wir pflegen uns über derartige Themen wenig oder gar nicht zu unterhalten. Sicher aber erscheint es mir doch, daß wenigstens wenige ähnlich denken werden und daß sie alle auch sofort bereit wären, auf den Beifahrersitz zu rutschen, wenn so ein Mann mit Sportwagencharakter selbst das Lenkrad in die Hand nähme.
Mehr habe ich zu diesem Thema nicht zu sagen, höchstens noch zu den Küssen auf einem Bein. Verstehen Sie wirklich nicht, warum meistens das linke Bein bei dieser reizvollen Tätigkeit abgewinkelt wird? Wenn Sie sich noch an Ihre Schulzeit erinnern, dann drückte man mit dem abgewinkelten Bein aus, daß man gerade das, was man soeben aussprach oder tat, nicht so ernst zu nehmen wünschte. Die andere Version ist, daß man wenigstens mit einem Bein schon im ersten der sieben erstrebenswerten Himmel angelangt ist. Sie können sich nun selbst aussuchen, was gemeint ist.


© Liselotte Simon, Pöcklng

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